Der Fall Oebel

Da wird einem ganz Oebel, wenn man sieht, was da gerade geschieht. Die Bäckereikette Oebel meldet Insolvenz an. Als ehemalige Tochter von Kronenbrot erleidet man doch das gleiche Schicksal.

Da wird einem ganz Oebel, wenn man sieht, was da gerade geschieht. Die Bäckereikette Oebel meldet Insolvenz an. Als ehemalige Tochter von Kronenbrot erleidet man doch das gleiche Schicksal.

Der Fall OebelDer Fall Oebel

160 Filialen sind betroffen und knapp 1.000 Mitarbeiter im Raum Aachen und Köln bangen um ihre Jobs. Was ist passiert und wodurch kommt es zur Insolvenz? Es ist sicherlich beeindruckend, was da geschieht und man könnte sogar sagen, dass Kronenbrot und Oebel selbst die Schuld dafür tragen. Es ist an sich ganz einfach zu erklären, was geschieht.

Was sagen Oebel und Kronenbrot selbst?

Man will wieder öffnen und schauen, wie eine Rettung gelingen kann bzw. welche Jobs zu retten sind. Eine Eifeler Bäckerei soll die Belieferung übernehmen – das sagt die Presse. Ebenso tritt laut Aachener Zeitung und WDR Aachen der IHK Präsident, der Geschäftsführer bei Oebel ist, im Zusammenhang mit der Angelegenheit Oebel zurück.

Was wird als Grund angegeben?

Es gibt wohl Logistikprobleme durch die erneute Insolvenz des Lieferanten Kronenbrot. Von diesem Konzern fand nach der letzten Insolvenz eine Abspaltung statt. Dieser hat ein Problem mit den Produktschienen. Dort scheint es so, als würde nur der Standort Witten überleben können – das sind hier bei ebenso ca. 1.000 Mitarbeitern etwa 150.

Es soll noch einen weiteren Grund geben

Teilweise spricht man auch davon, es sei schwierig geworden wegen der Konkurrenz durch die Discounter und deren neue Back-Automaten sowie Backshops. Diese haben in den letzten Jahren in den neuen Discounter Ausgestaltungen ihren Platz gefunden und sind immer beliebter.

Hier soll es scheinbar die gleiche Frische geben, mit der die Großbäcker werben. Es werden jedoch überwiegend auch hier Tiefkühlprodukte aufgebacken, die zum Großteil schon fertig aus der Großbackstraße stammen. Das ist genau so wenig frisch oder traditionell wie bei anderen Großbäckern, die aufgrund ihrer Struktur das klassische Handwerk nicht ersetzen können. Dieses Handwerk zu verdrängen, darum ging es ja. Das geht nur, wenn man effizienter arbeitet und auch einmal die Arbeit durch Zusätze erleichtert, die es nie im Backhandwerk gegeben hat.

Das ist doch spannend. Waren es doch vor allem die aus Traditionsbäckereien entstandenen und gewachsenen Großbäckereien, die den kleinen Bäcker von nebenan so unterboten haben, dass diese fast vollständig aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Es geht nur in die nächste Runde

Nun geht es weiter und die Discounter eröffnen die nächste Runde im Ring. Es sind dort die bei Kronenbrot und Oebel wackelnden Arbeitsplätze zu einem gewissen Teil neu entstanden, denn die Kundschaft dort ist in den letzten Jahren von Null aus ja nicht neu gewachsen, sondern sie hat sich um entschieden, dort zu kaufen. Die Back-Ketten haben durch die Discounter immer mehr verloren. Das wird in der Presse teilweise als Bedrohung der deutschen Brot Kultur bezeichnet (Chip.de).

Wer ist schuld?

Diese Frage stellen wir immer gerne und suchen einen Schuldigen. Den können wir so leicht nicht ausmachen. Die Industrie erfüllt unsere Wünsche. Das sind in diesem Fall günstigere Preise. Diese können nicht durch Gewinnminimierung entstehen, sondern nur durch Zusammenlegung, Industrialisierung, Vereinfachung der Verfahren und manchmal auch durch Tricks, die man in eine Grauzone einsortieren kann.

Natürlich kann das nicht anders gehen. Nur weil wir dem Traditionsbäcker abgeschworen haben, konnten die Großbäcker Fahrt aufnehmen So haben die Konzerne (natürlich nicht nur Oebel und Kronenbrot) angefangen, Vollkornanteile durch Malz vorzutäuschen und andere legale Tricks anzuwenden. So wird es billiger und sieht aus, als wäre es Qualität aus dem Handwerksbetrieb.

Es braucht dann wieder das Image der ehemaligen Landbäckerei, ein traditionsreich aussehendes Logo und eine nette Atmosphäre. Fertig ist der Back-Edel-Shop aus der Großbäckerei.

Was können wir unternehmen?

Sicherlich müssen wir mit unserem Geld haushalten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht an der falschen Stelle sparen. Qualität hat einen gewissen Preis und an manchen Stellen sollten wir nicht zu sehr sparen. Wer beispielsweise frisches Essen zubereitet, der spart in der Regel sehr deutlich gegenüber den Fertigprodukten.

Dabei geht es aber noch weiter. Es gibt viel zu viel schlechte Nahrungsmittel und Nahrungszusätze. Viele Stoffe müssen nicht einmal deklariert werden. Die Kennzeichnung ist unzureichend und die Politik zu industriefreundlich, wie wir immer wieder erleben. Als Verbraucher hilft hier auf Initiativen wie Foodwatch zu achten, sich klar zu positionieren und auch einmal Konsumverzicht als Druckmittel einzusetzen.

In manchen Bereichen macht es Sinn, dass die Industrie Dinge herstellt, aber in vielen Bereichen ist das nicht so. Wenn wir heute in den Discounter gehen und Brötchen sehen, dann erinnern diese nur noch entfernt an das, was wir in Kindertagen gegessen haben.

Es kann keinen Sinn machen, dass wir einen Personal Coach haben, uns mit Yoga und Psychologischer Beratung auf Vordermann bringen und dann die Ernährung und die Wertigkeit von Produkten außer acht lassen.

Lasst uns preisbewusst sein, aber achten wir auch darauf, dass wir uns nach unseren Möglichkeiten gut ernähren, Qualität kaufen und das Essen frisch selbst zubereiten. Statt „Coffee To Go“ Kultur brauchen wir mehr echtes Essen, Zeit sowie echte Kommunikation. Der Kaffee ist viel schöner, wenn wir ihn in netter Gesellschaft trinken, wenn wir uns etwas Zeit nehmen, als eilig unterwegs auf das Hemd gekippt.

Noch einmal ganz klar:

Es geht in diesem Artikel nicht darum, Kronenbrot oder Oebel abzuwerten oder irgendetwas als negativ oder illegal darzustellen (trotz des Wortspiels in der Einleitung), sondern hinter das System zu schauen und selbst etwas zu verändern. Wir erschaffen diese Themen, die zum Problem werden und das durch unser Verhalten. Wer immer billiger und schneller verfügbar alles konsumieren möchte, der gibt der Industrie seine Wünsche vor, die man dann möglichst effizient und kostengünstig umsetzt und auch umsetzen muss, wenn der Verbraucher genau das fordert. 1 A Qualität braucht eben mehr Geduld, Zeit, Arbeit und letzten Endes auch Geld. Das sollte uns allen bewusster werden und wir müssen nach unseren Möglichkeiten danach handeln, wenn wir etwas verändern wollen.

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3 Gedanken zu „Der Fall Oebel

  1. Werner Ista

    Ich bin wirklich schockiert! Ich komme nicht aus dem Raum wo Oebel so stark vertreten ist. Das es aber eine große Kette ist war mir bekannt. Ich hätte nie gedacht das eine Insolvenz droht. Für die Mitarbeiter eine riesen Katastrophe. Die Discounter spielen mit Sicherheit auch eine große Rolle, aber da denke ich doch das kleinere Bäckereien schon eher damit zu kämpfen haben!

  2. Kauder

    Hallo und vielen Dank für diesen Beitrag, nach meinen wissen wird immer noch ein Investor gesucht.

  3. Süßigkeiten Box

    Das ist sehr schade für die Mitarbeiter die trifft es immer am härtesten. Vielleicht lässt sich ja doch noch ein Investor finden.

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