En Plaat wed 70

Unkraut vergeht nicht. Das haben wir heute schriftlich. Ein Urgestein der kölschen Rockmusik feiert heute seinen siebzigsten Geburtstag und ist dabei noch kein bisschen Leise geworden: Jürgen Zeltinger.

Unkraut vergeht nicht. Das haben wir heute schriftlich. Ein Urgestein der kölschen Rockmusik feiert heute seinen siebzigsten Geburtstag und ist dabei noch kein bisschen Leise geworden: Jürgen Zeltinger.

juergen zeltinger 70 jahre
Bild von Dennis Kleimann, Hans-Jürgen Zeltinger und Arno Ostländer sowie Artikel von Arno Ostländer

En Plaat wed 70

Ein „Asi mit Niwoh“ wird heute 70 Jahre alt – Jürgen Zeltinger. Er kokettiert auch nicht damit und auch nicht mit dem einen oder anderen Kilogramm, von denen sich etliche an ihm schon seit Jahrzehnten wohlfühlen. Geheimnisse sind nicht so sein Ding, denn er redet durchaus über die Erlebnisse mit Größen wie Heiner Lauterbach, Wolfgang Niedecken oder gar Freddy Mercury. Er hat viele dieser Menschen getroffen und erzählt gerne davon – aber alles das, ohne dass er sich oder sie  zu wichtig nähme. Egal ob im Musikbunker Aachen, im ehemaligen Underground in Köln oder wo auch immer - er ist einfach er selbst.

Es braucht immer schon einmal einen bestimmten Weißwein und etwas Wodka – oder vielleicht auch mal etwas mehr davon – und dann geht das schwelgen in Erinnerungen los. Es ist schön, wenn man mit ihm auf Zeitreise ist und er auf seine unnachahmliche Weise in kölschem Ton das Leben mal ganz direkt erklärt.

Man möchte meinen, der eine oder andere Yogalehrer oder Coach könnte bei ihm in die Ausbildung gehen. Er sieht das Leben nicht durch die rosarote Brille, wenn es nicht Programm ist. Er ist ein absoluter Realist und immer noch Kind, verrückter Träumer, Vernunftsmensch und Chaot. Also eigentlich ein Asi mit Niwoh mitten aus dem Leben.

Wenn es darum geht, gute Dinge zu tun, wirst du ihn immer begeistern, denn ihm ist der Planet wichtig, auf dem wir leben. Er ist gradlinig und sagt dir, was er denkt – immer. Wenn es dabei mal etwas Wodka zu viel gab und die Grenzen überschritten wurden, dann gibt es den Resetknopf am nächsten Tag und alles ist wieder gut.

Er mag es nicht, wenn Menschen nicht echt zu ihm sind und sortiert die Blender gerne aus. Echte Freundschaft und Verrücktheit sind ihm gleichermaßen Lieb, Vorurteile kennt er nicht. Damit wurde er selbst schon viel zu oft konfrontiert und ist den Unkenrufen durch viele seiner Platten und seine Art zu Leben eher zuvorgekommen.

Vom Stüverhoff zum Sozialamt – wir bleiben unserem Grundsatz treu – schwul pervers und arbeitsscheu. Der große Rock'n'Roll Betrug hat bei Jürgen nie stattgefunden. Ich bin `ne Schlampe – wie er selbst über sich gesungen hat – aber natürlich mit Niwoh. Und auch der Tuntensong lässt uns eingefleischte Fans immer wieder melancholisch werden.

Mein Vater war ein Wandersmann – darauf warten wir bei jedem Gig. Ich selbst habe ihn zum ersten Mal mit 17 getroffen, als ich die Band betreuen durfte und in den letzten Jahren bei vielen Konzerten erlebt – von entspannt bis genervt – von vollkommen relaxt bis aus dem Rahmen gefallen. Immer ist er einfach Jürgen – passt in jedes Klischee und auch wieder in keins. Wenn es eine Schublade gibt, in  die man ihn stecken muss, dann in seine eigene.

Der Mann hinter der Bühne ist oft sehr ruhig, klar und weiß, welche Werte im Leben wichtig sind. Du wirst dich immer auf ihn verlassen können – er weiß schließlich auch, welche Anekdötchen man nicht offen erzählt und wie man sich herzlich umarmt. Das Herz in diesem Berg Mensch stimmt – und das Gesamtpaket wird heute 70 – dazu gratuliere ich ganz herzlich.

Schaut euch den Film an, erlebt ihn live und nutzt die Chance, ihn kennenzulernen. Irgendwann einmal sind wir alle nicht mehr und dann sind es die Gelegenheiten, die wir verpasst haben, an die wir denken werden. Es wäre schade ihn und die vielen tollen Menschen um ihn herum nicht kennengelernt zu haben.

Daher gratulieren viele liebe Menschen ihm heute, die auch mir sehr lieb geworden sind. Einige davon möchte ich in zufälliger Reihenfolge nennen. Das sind Tanja, Tom, Dennis, Wolli, Robbie, Susanna, Ralf, Elisabeth, Charly, Heinz und Laura. Es ist immer wieder schön, mit euch zu feiern, einen zu trinken und zu singen – lasst uns das so lange noch tun, wie es geht. Denn wir sind Asis mit Niwoh – auch mit mehr als drei Mal achtzehn Jahr …

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